OKR ist keine Software

In Allgemein von Nicole Engelbrecht

In den letzten Wochen erreichten uns immer wieder Anfragen von Firmen, mit der Frage, ob wir dort nicht OKR einführen könnten und wieviel denn die Software kosten würde. Zunächst verwirrt, versuchten wir herauszufinden, was hinter dieser Frage steckt. Es gibt zur Zeit knapp 30 Softwareanbieter zum Thema OKR, die unter anderem beim Marketing einen guten Job machen. So entsteht beim Laien eventuell doch der Eindruck, dass man ein komplexes und agiles Zielmanagement schlicht durch die Installation einer Software etablieren könnte. Natürlich funktioniert das nicht – sogar im Gegenteil!

Gleich das erste Wertepaar im agilen Manifest – die Basis für das agile Mindset – klärt auf:

„Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“

Das bedeutet, zunächst muss die Organisation (sprich ihre Individuen) lernen, mit einem agilen Zielsystem umzugehen. Dies entspricht einem Change-Prozess und in den meisten Fällen auch ein Kultur-Entwicklungsprozess. Dieser kann natürlich durch Software unterstützt werden – aber erst wenn erste Lernerfolge erbracht werden. Denn die Einführung einer Software stellt einen weiteren Change-Prozess dar, der die Organisation einerseits zusätzlich belastet und andererseits dem OKR-Prozess die Umsetzung der Software aufdrückt.
Da der OKR-Prozess ein individueller Prozess ist, der in jedem Unternehmen mehr oder weniger anders ausgeprägt ist, gilt dies auch für die Software-Hersteller. Jeder der Anbieter hat eine leicht andere Philosophie, wie der Prozess und die Features bzw. die individuellen OKR-Parameter umgesetzt sind. Verwendet man nun die Software eines beliebigen Anbieters, so muss man den eigenen OKR-Prozess zwangsläufig daraufhin abändern, um die Akzeptanz der Software zu erreichen. Damit richtet sich der OKR-Prozess aber nach der Software, d.h. die Akzeptanz des Prozesses wird notgedrungen sinken und das führt zur (teilweisen) Unwirksamkeit.

Daher verwenden ca. 95% der Unternehmen eine bereits im Unternehmen vorhandene und verwendete Software, die sich maximal flexibel für die ersten Schritte eignet, wie z.B. Google Sheets, Microsoft Excel oder Atlassian Confluence. Erst nach ein bis zwei erfolgreich durchlaufenen Zyklen (und der durch Review sowie Retrospektive erfolgten Anpassung der OKR-Parameter) kann man den eigenen Prozess gegen die Liste der Software-Anbieter matchen und so den Anbieter mit der bestmöglichen Übereinstimmung suchen.